Lesetipp von
Sybille Kramer
22.10.2024

London Anfang der 60er-Jahre. Helen Hansford ist eigentlich eine unabhängige, moderne Frau Anfang 30, die als Kunsttherapeutin in der psychiatrischen Klinik Westbury Park arbeitet. Dort wendet man neuere Methoden bei der Behandlung der Patienten an. Unter anderem auch die künstlerische Betätigung in Helens Therapiestunden.
Helen beginnt eine Affäre mit Gil, einem verheirateten Psychiater. Eine Scheidung findet dieser nicht abwegig, aber seine Kinder sind ja noch zu klein ... Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen und Helen wird immer frustrierter, was ihre Beziehung anbelangt. Und dann weist sich auch noch ihre Nichte wegen eines Nervenzusammenbruchs selbst in Westbury Park ein. Plötzliche Ablenkung von ihren persönlichen Problemen bekommt Helen, als ein neuer Patient eingeliefert wird. William Tapping, 37 Jahre alt, spricht nicht und ist körperlich verwahrlost. Gelebt hat er in einer Villa zusammen mit seiner alten Tante. Doch keiner der Nachbarn wusste von seiner Existenz. Scheinbar hat er das Haus seit Jahrzehnten nicht mehr verlassen. William zeigt außerordentliches zeichnerisches Talent und für Helen wird es immer wichtiger, den Fall Tapping zu erforschen und hinter das Geheimnis dieses einsamen, zutiefst unglücklichen Mannes zu kommen. In Rückblenden, die uns bis in das Jahr 1938 führen, erfahren wir in diesem Entwicklungsroman, was William als Junge durchlitten hat. In der Sicherheit der Klinik beginnt sich William langsam zu öffnen und auch bei Helen verändert sich so einiges im Verlauf ihrer Recherchen.
Auf 500 Seiten hat die englische Autorin Clare Chambers einen tollen, spannenden Schmöker geschrieben - genau das Richtige für gemütliche Herbsttage.

 

Übersetzung: Aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Roman
Eisele, 26,- €

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